Deutschland in der Krise? Politik, Glaube und Verantwortung | Johannes Volkmann & Daniela Städter
Shownotes
Polarisierung, Hetze, Angst - das politische Klima in Deutschland wird rauer. Und die vergangenen Landtagswahlen zeigen, wie groß die Verunsicherung in vielen Teilen des Landes ist. Wo führt diese Entwicklung hin? Und was ist unsere Verantwortung darin? Darüber spricht Moderatorin Kim Diehl mit Johannes Volkmann, Mitglied des Deutschen Bundestages, und IDEA-Leiterin Daniela Städter.
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00:00:01: Das politische Klima in Deutschland wird rauer.
00:00:05: Wofür diese Entwicklung hin und was bedeutet das für unsere Verantwortung?
00:00:10: Darüber spreche ich heute mit Johannes Volkmann, Mitglied des Deutschen Bundestags und der Idealeiterin Daniela Stetter.
00:00:18: Schön, dass du dabei bist!
00:00:19: Mein Name ist Kim Diehl und begrüße dich ganz herzlich zu Echt und Ehrlich dem FTH Talk.
00:00:25: Ganz egal über welches Thema wir hier sprechen – Wir sprechen echt und ehrlich drüber.
00:00:35: Herzlich willkommen, schön dass Sie da
00:00:36: sind.
00:00:37: Hallo, herzlichen Dank für die Einladung!
00:00:39: Vielen Dank
00:00:40: Herr Volkmann.
00:00:40: wir erleben wachsende politische Unruhe in unserem Land immer größere Spannungen einen Zulauf von Parteien am rechten und am linken Rand.
00:00:49: wenn sie gerade heute auf unser Land schauen was macht ihnen denn am meisten Sorge?
00:00:55: Meine große Sorge ist das dieses Land sich am Zynismus vergiftet Dass wir so ein Gefühl haben es kann nicht mehr besser werden Und wir uns in eine Abstiegssperrale geben aus schlechter Stimmung, schlechter Erwartung fehlendem Handeln.
00:01:11: Was das korrigiert und dadurch noch schlechtere Stimmung.
00:01:14: Das ist eine Sperrale, die unser Land immer weiter nach unten zieht, zunächst psychologisch aber dann auch real.
00:01:19: Dass dabei diesem Land so ein bisschen ... Die innere Mitte und der Halt verloren geht.
00:01:23: Dieses Gefühl, es kann wieder besser werden.
00:01:25: Es gibt Grund zur Hoffnung als Kategorie des Politischen.
00:01:30: Mhm,
00:01:30: ja.
00:01:30: Die vergangenen Landtagswahlen haben ja gezeigt, wie groß die Wut und auch die Verunsicherung in vielen Teilen des Landes sind.
00:01:38: Frau Stette was sagt denn der Aufstieg der politischen Ränder über unsere Gesellschaft geradeaus?
00:01:44: Also Herr Volkman hat es grad schon als schlechte Stimmung beschrieben.
00:01:48: Wie sehen Sie das?
00:01:50: Also grundsätzlich muss man sagen dass halt einfach die Unzufriedenheit da ist dass viele Leser uns zum Beispiel zurückspiegeln, dass sie einfach mit der Politik wie sie jetzt halt stattfindet und zufrieden sind.
00:02:01: Weil einfach vieles nicht geliefert wird.
00:02:03: Vieles von dem was im Wahlkampf versprochen wurde dann gebrochen wurde oder nicht umgesetzt wurde was natürlich mit der Situation zusammenhängt das die CDU in einer Koalition mit der SPD ist.
00:02:15: Und das führt dazu dass man das Gefühl hat dass man den Parteien der Mitte dass nicht zutrauen kann, dass sich dann einfach nichts mehr ändert.
00:02:23: Und wenn man schon in der Vergangenheit öfters enttäuscht wurde ... Dass man den Weg geht und sagt ich geh an die Ränder und hoffe darauf, dass dann sich hinterher doch noch mal was ändern wird.
00:02:35: Also da ist eine große politische Unsicherheit, eine große Unzufriedenheit.
00:02:39: Trotzdem leben wir ja immer noch im einem der sichersten und reichsten Länder der Welt, ne?
00:02:46: Ist das ... Ist es einfach so ein Meckern auf hohem Niveau oder stecken wir wirklich in der Krise?
00:02:52: Zwei Sachen können gleichzeitig richtig sein.
00:02:54: In der Tat, wir sind eine Land in dem ein unglaublich starkes Fundament und eine große Basis da ist.
00:03:00: Wir sind immer noch die trittgrößte Volkswirtschaft der Welt.
00:03:02: Unglaublich viele mittelständische Unternehmen, die sehr erfolgreich sind auch jetzt dieses Jahr wieder einer Rekordzahl an Unternehmensgründungen das erste privater Raumfahrtunternehmen mit dieser Aerospace was nach den Sternen greift aus unserem Land.
00:03:13: aber auf der anderen Seite eben auch ne berechtigte Sorge dass es vielleicht zum ersten Mal für kommende Generationen nicht mehr besser wird.
00:03:20: Dass wir viel versäumt haben in der Vergangenheit, nicht nur im wirtschaftspolitischen Bereich sondern auch in anderen Krisenfragen, Migration und Demografie ungelöste Probleme die dieser Gesellschaft ein Stück weit um die über den Kopf wachsen jetzt alle auf einmal gleichzeitig von außen der Frieden in Europa so bedroht ist wie mindestens seit dem endeskalten Kriegs nicht mehr.
00:03:40: Und die Frage ist, vertraut man der Situation politischer Führung?
00:03:43: Gibt politische Führungen auch einen klaren Kurs vor.
00:03:46: Ich würde mir manchmal von uns selbst wünschen in der Berliner Politik, dass wir mehr Orientierung bieten und die Kritik an vieler Glaubwürdigkeit ist ja gerechtfertigt.
00:03:55: Also zu sagen was man denkt und dann zu tun, was man sagt.
00:03:59: Das hat Franz-Josef Strauß als Leitlinie für gute Politik rausgegeben und gerade glaube ich in der jüngeren und neuerigen Generationen in der CDU fordern wir genau das ein.
00:04:08: Und woran liegt das, dass das nicht umgesetzt wird?
00:04:10: Was gesagt wird.
00:04:12: Also man muss die Kritik schon differenzieren.
00:04:14: auf der einen Seite wir haben ein fünfzehn Punkte sofortprogramm vor dem Wahlkampf verkündet mit sehr konkreten Punkten.
00:04:20: was wir zum Beispiel bei Recht der Steuerpolitik und der Migrationspolitik machen wollen treibts in dieser fünfzehnten Punkte umgesetzt.
00:04:25: wenn über Wortbruch oder es würde nicht erfüllt was versprochen wurde gesprochen wird ist es glaube ich mehr eine Ebene höher dass das Gefühl war an Erwartungen da die jetzt nicht konkret in einem Ballprogramm standen, aber die Erwartung war es wird sich wirtschaftspolitisch spürbar verändern.
00:04:40: Die Migrationskrise wird unser Stadtbild um ein geflügeltes Wort zu verwenden verändern und diese beiden Punkte haben sich halt bisher nicht so realisiert und wir sind nicht erwartungen gerecht geworden.
00:04:52: das hat viele Gründe die man jetzt als Erklärungsversuche heranziehen kann.
00:04:55: einer ist sicherlich man ist in der Koalition muss Kompromisse machen Man ist haushalterischer weiter schwierigere Lage als man es vorher gedacht hatte.
00:05:03: im Föderalismus ist vieles kompliziert, aber das soll alles keine Ausflüchte sein.
00:05:07: Am Ende des Tages muss sich Politik an Realität messen lassen und wenn man es nicht gelingt im bestehenden System diese Änderungen herbeizuführen dann fragen sich die Leute irgendwann zurecht Ist nicht das System das Problem?
00:05:18: Und wählen dann Parteien die dieses System überwinden wollen.
00:05:20: ich bin der Überzeugung dass wir diese Probleme in der liberalen Demokratie und in der politischen Mittel lösen können Wenn wir diszipliniert in der Mitte entsprechend zusammenarbeiten.
00:05:29: Also, wenn man jetzt ein bisschen auf die Sorgen schaut.
00:05:31: Dann muss man, finde ich immer auch noch mal so einen Blick in die Geschichte haben, dass es viele Dinge gab, die auch in der Vergangenheit schwierig und schlimm waren also in den Achtzigerjahren.
00:05:40: das Thema Angst vorm Atomtod Die Wolke ist ein Roman, der damals entstanden ist, wo einfach deutlich wird Chernobyl-Aufrüstung, kalter Krieg ... Das sind natürlich alles Sorgen, die da waren und riesig waren aus dem Blick verloren haben, dass das alles auch schon mal da gewesen ist und dass wir durch diese Krisen auch durchgekommen sind.
00:06:06: Und deswegen finde ich hilft gerade in solchen Situationen auch nochmal so der Blick zurück und zu schauen welche Krisen hatten wir alle und wo sind wir überall durch gegangen?
00:06:15: Aber gleichzeitig, da würde ich Ihnen zustimmen ist es jetzt natürlich gerade so die Menschen schauen auf das was vor ihren Augen ist.
00:06:22: Und ich wohne im Ruhrgebiet und wenn ich mir da zum Beispiel die Straßen angucke Die Haushaltslage der Kommunen ist so dramatisch wie noch nie.
00:06:31: Straßen sind kaputt.
00:06:33: Man kann nur noch dreißig fahren, weil die Schlaglöcher so groß sind und das zieht sich ja durch also in den Schulen ist ein Investitionsstau.
00:06:42: wenn wir dann auf die Bahn gucken Autobahnt alles überall wo die Leute halt das Sehen in ihrem Umfeld, was alles gerade schlechter wird und herausforderner wird.
00:06:53: Das ist natürlich dann vor Augen und führt dann halt dazu, dass die Unzufriedenheit zunimmt, weil man das Gefühl hat, in einem eigenen Leben wird alles schlimmer und schwieriger?
00:07:02: Ich bin Frau Stetter total dankbar, dass sie das historische Bewusstsein angesprochen hat.
00:07:06: Weil ich glaube, es sollte uns eigentlich viel Grund zu Selbstbewusstsein geben wenn man sich anschaut der Bundesrepublik der fünftiger Jahre ein ... Moralisch wie materiell zerstörtes Land nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.
00:07:19: Wie dieses Land wieder aufgebaut wurde von seinen Menschen, auch von einer vorausschauenden Politik damals.
00:07:25: Soziale Marktwirtschaft und europäische Integration.
00:07:28: Viele Krisen die seiterüberbunden wurden um Weltkatastrophe der Achtzigerjahres ein gutes Beispiel bis hin zur Vollendung der deutschen Einheit, die durch Sozialismus zerstörtes Land über vierzig Jahre auf das höchste Wohlstands... wo er in ganz Mittel-Osteuropa geholt hat.
00:07:45: Ich glaube, wir können bei vielem auch selbstbewusst sein aus den Erfolgsgeschichten der Vergangenheit schöpfen.
00:07:51: aber auf der anderen Seite gibt es natürlich keinen Applaus alleine für das was erreicht wurde sondern es braucht diese glaubhafte Zukunftsperspektive
00:07:59: Und die haben ja viele Menschen heutzutage offensichtlich nicht mehr, ne?
00:08:02: Also wir haben ja schon über die Randparteien gesprochen.
00:08:05: Die AfD ist laut aktuellen Umfragungsstärkse Kraft in Deutschland.
00:08:09: und ich frage mich so ein bisschen gerade auch von Christian und Christen wird ja die AfD in vielen Teilen unterstützt und gewählt und die Frage ist wie kann man denn mit einem christlichen Menschenbild überhaupt eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei wählen?
00:08:26: Also die Frage müsste man dann den Leuten stellen, die die Partei wählen.
00:08:31: Ich kann jetzt nur das weitergeben was ich so in Gesprächen mitbekomme.
00:08:35: Ich bin viel natürlich auch in Deutschland unterwegs sowohl im Osten als auch im Westen und ich höre da ganz unterschiedliche Sachen.
00:08:43: also da sind zum einen die Unternehmer aus Westdeutschland schon auch in der Zeit von Merkel kritisch waren und dann irgendwie noch gehofft haben, dass es jetzt wieder konservativer wird.
00:08:55: Dass halt die Baustellen angegangen werden also Entbürokratisierung zum Beispiel.
00:09:01: Und das man gerade auf März und Linnemann gehofferte und dass die Schuldenbremse eingehalten wird.
00:09:06: Das hat ein unglaubliches Vertrauen zerstört.
00:09:10: Da bekomme ich die Rückmeldung, dass mir dann zum Beispiel Unternehmer sagen, für mich und ich entscheide, mich jetzt die AfD zu wählen.
00:09:18: Das werde ich öffentlich nicht sagen weil das bedeutet des Ende meiner wirtschaftlichen Karriere und die dann halt auch sagen so muss es sich in der DDR angefühlt haben also wo dann dieser große Kontext dann aufgemacht wird.
00:09:33: Das ist so die eine Richtung und die andere Richtung das sind dann viel durch viele aus Deutschland die eben die DDR noch miterlebt haben und jetzt so das Gefühl haben, es geht alles immer nur in eine Richtung.
00:09:46: Und ich wähle konservativ, ich will konservative Politik – und ich bekomme Berbelbars!
00:09:52: Das ist halt dann was viele dann so abschreckt, dass man dann sagt, man wählt die AfD... Ich persönlich kann's nicht nachvollziehen.
00:10:03: Es gibt Punkte, die das für mich nicht möglich machen.
00:10:07: Aber es ist ja immer so in der Politik und die Entscheidung, wen wähle ich, ist immer ein Kompromiss.
00:10:12: Und einige treffen für sich halt die Entscheidung dass sie gewisse Punkte höher gewichten und entscheiden sich dann für die AfD.
00:10:19: Welche Punkte sind denn mit dem christlichen Glauben konkret nicht vereinbar?
00:10:23: Ich möchte
00:10:25: vielleicht kurz bevor ich auf diese Frage eingehe, auf den vorherigen Punkt eingehen.
00:10:29: Weil mir ist es ganz wichtig, AfD-Wähler nicht zu pathologisieren und zu sagen wie kann man nur?
00:10:35: Ich persönlich lehne diese Parteier aus vielen Gründen ab aber wenn ... Also der AfD ist für mich ein Wahnsignal, dass wir nicht mehr gut genug sind in unseren Antworten.
00:10:44: Und da brauche ich es glaube ich aus Sicht der Union zunächst einmal demut auch vor den Wählern die diese Entscheidung treffen zu fragen was haben wir denn falsch gemacht um euer Vertrauen zu verlieren.
00:10:53: und die Antwort die man darauf bekommen hat ganz ähnlich zu dem was er eben gesagt hat Migration ist häufig auch ein Faktor Sorge um den Verlust der eigenen kulturellen Identität gerade auch Zeitaltern Man als konservativer Christ mit unglaublich vielen Vorurteilen zu kämpfen hat.
00:11:10: Und dann ist das so eine Reaktion im sprichwörtlichen Sinne, so ne Abwehrhaltung.
00:11:15: Ich hab eingangs ja über dieses Thema Zynismusvergiftung gesprochen und die Frage gibt es quasi eine hoffnungsvolle Erzählung, die jenseits dessen ist was man sagt wir wollen zu einem vermeintlichen Frühjahr war alles besser zurück.
00:11:28: Und ich versuche eben politisch dafür einzustehen und zu kämpfen dass man diese positive Zukunftserzählung, die nicht reaktionär ist.
00:11:37: Glaubhaft macht.
00:11:38: Zur Frage was ist das Problem an der AfD?
00:11:40: Aus meiner Sicht als Christdemokrat sind es drei Punkte.
00:11:43: Das erste ist das fehlende Bekenntnis zu Europa bis wir uns das aktive bekämpfen des gemeinsamen europäischen.
00:11:51: Der Nationalismus hat unseren Kontinent zweimal im letzten Jahrhundert in den Brudermord gestürzt.
00:11:56: und wer Wenn diese Formulierung zu krass ist, der sollte einen Soldatenfriedhof besuchen und sich das anschauen.
00:12:02: Und am Ende führt jede Form der Abschottungslogik und des Anti-Europäischen immer in den zwischenstaatlichen Konflikt in Europa.
00:12:09: Es hat Jacques Delors, der ehemalige Kommissionspräsident mal damit genauso auf den einen Punkt gebrachte Nationalismus – das bedeutet Krieg!
00:12:17: Ich habe große Bauchschmerzen an einer Partei in Deutschland Verantwortung zu überlassen die das nicht verinnerlicht hat.
00:12:22: Der zweite Punkt ist die systematische Täteropferumkehr im Russland-Ukrainekrieg nicht wahrhaben zu wollen oder aktiv zu verwischen, wer Täter und wer Opfer ist.
00:12:32: Und den Ukrainern das Recht auf territoriale Selbstbestimmung, auf Freiheit abzusprechen, dass jedes Volk genießen sollte – für mich zutiefst unpatriotisch!
00:12:41: Der dritte Punkt, und das sieht man gerade in manchen ostdeutschen Verbänden, ist eine große Offenheit gegenüber völkischem Gedankengut.
00:12:50: Und als Christ beurteile ich die Würde eines Menschen nicht nach seiner Herkunft.
00:12:55: Mir ist ein Christ mit afrikanischen Wurzeln kulturell näher, als ein völkischer Neonarzt hier aus Thüringen oder anderswo.
00:13:03: Also ich will das gar nicht auf Osteroschen allein stigmatisieren.
00:13:04: in meiner eigenen Heimat und da fremdlich eben mitteilen der AfD die Menschen sehr stark nach ihrer Herkünft- und Hautfarbe beurteilten und weniger nach ihrem Charakter und ihrem Tun.
00:13:15: Aber was sagen Sie denn zum Beispiel Christen, die diesen Ukrainer Krieg ... in dem Sinne, dass sie sagen, warum bringen wir uns so stark ein?
00:13:25: Es ist ja nicht unser Krieg.
00:13:27: Und es fließen so viele Milliarden dort rein und die sich das kritisieren, wenn die Kritik an den Krieg dazu führt, dass man halt in eine rechte Ecke geschoben wird.
00:13:39: Was würden Sie denn entgegnen?
00:13:41: Also ich ... Ich glaube, jeder kann in Deutschland Kritik und Unterstützung für die Ukraine äußern.
00:13:46: Es tun ja auch viele Parteien, die Linke tut es, das WSW tut es... Die AfD tut es.
00:13:49: Ich glaube Teile der SPD tun es.
00:13:51: ist nicht so sehr rechts-links sondern es ist eine Frage von glaubt man daran dass Frieden aus einer Position der Wehrhaftigkeit oder aus einer position der Wehllosigkeit am besten geschützt werden kann?
00:14:01: Und ich persönlich bin der Überzeugung, dass die historische Erfahrung, die wir mit Abismint gemacht haben, dass es scheitert und dass unsere Schwäche ist, die Putin provoziert auf Frage ist, dass unser Krieg oder es nicht unser Kriegt würde ich sagen naja wir sind mitten in Europa und Deutschlands wirtschaftlicher Wohlstände.
00:14:19: unsere Sicherheit.
00:14:20: Ist unmittelbar davon abhängig ob in unserem Kontinent des Faustrecht gilt oder eine Rechtsordnung.
00:14:27: Und wenn diese Rechtsordnung gebrochen wird und ein Land sich verteidigt, Millionen Menschen vor der Wahl stehen bleibe ich oder fliege, hat das natürlich unmittelbare Auswirkungen auf uns.
00:14:36: Wenn morgen eine Stadt wie Kiew in diesem Winter in die Unbewohnbarkeit gebompt wird dann bedeutet es dass Millionen von Menschen ihre Heimat verlassen.
00:14:44: Und wo werden die hinkommen zu uns?
00:14:46: Dann kann man natürlich im zweiten Schritt sagen, dass wir diese Menschen idealerweise mit Waffengewalt an der Grenze irgendwie versucht aufrechtzuhalten.
00:14:53: Ich glaube dann lässt man spätestens den Punkt, den man als Christ für moralisch vertretbar halten kann.
00:14:58: Wenn man sieht was mit der Einschränkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in den von Russland gesetzten Gebieten in der Ukraine passiert.
00:15:03: über siebenhundert Kirchen, die in der ukraine seit Kriegsbeginn zerstört wurden.
00:15:08: dort, wo Russland besetzt gibt es keine Religionsfreiheit mehr.
00:15:11: Es gibt eine politische Staatskirche, kann Evangelikale werden unterdrückt und ich würde mir wünschen, dass es in der deutschen christlichen Szene da eine viel klarere auch moralische Position gibt.
00:15:23: Dass so etwas nicht hinnehmbar ist.
00:15:24: Lassen Sie uns mit Blick auf die Zeit mal weitergehen!
00:15:26: Sie haben gerade schon die Linke und das BSW angesprochen und es gibt ja auch am linken Rand einer Radikalisierung.
00:15:33: Die Linke steht gerade wegen in Teilen Antisemitismus innerhalb der Partei in der Kritik.
00:15:39: Frau Städter, haben Sie das Gefühl es wird über politische Radikalisierung oder problematische Entwicklungen am linken und rechten Rand gleichermaßen gesprochen?
00:15:50: Oder gibt's da so ein Ungleichgewicht.
00:15:53: Also aktuell merken wir dass es einen Ungleich Gewicht gibt.
00:15:56: also wenn wir uns jetzt die Wahl in Berlin anschauen dort... ist eine parteistärkste Kraft geworden, die Linke, die strukturellen Antisemitismus in ihren Reihen hat.
00:16:08: Und da hat man halt in der Berichterstattung gemerkt, dass dort ein deutlich größerer Zurückhaltung ist als wenn es um die AfD geht.
00:16:16: und das merkt man gerade leider auch bei den Kirchen.
00:16:20: Also der Berliner Bischof Stäblein hatte's in seinem ersten Statement nicht geschafft, Die Linke zu benennen sondern hat ausschließlich vor der AfD gewarnt gesagt, dass eine Mehrheit sich für die Demokratie entschieden hat und demokratisch gewählt hat.
00:16:37: Und da muss man dann halt einfach sagen ... Da ist ein Ungleichgewicht.
00:16:41: Woher kommt das?
00:16:42: Woan liegt das?
00:16:44: Ja also ich hab schon den Eindruck, dass viele auf dem linken Auge blind sind.
00:16:51: Man hat sich jetzt so auf das Thema Rechts- und AfD eingeschossen, das einfach klar ist.
00:16:58: Da kann man sich darauf einigen und es ist immer etwas was zieht, was funktioniert.
00:17:04: Und bei den Lenken gibt's halt an gewissen Stellen eine gewisse Beißhemmung, dass halt klar zu formulieren, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass es einfach in den Medien mehr linke Medien gibt die links ausgerichtet sind sodass man da natürlich eher zurückhaltend ist und sagt, naja so ein bisschen beschwichtigend unterwegs ist.
00:17:27: Während man halt auf der rechten Seite das sehr klar formuliert und ausspricht.
00:17:33: Ich finde das total faszinierend, weil ich habe auch den Eindruck dass die politische Linke immer so ein Grundvertrauensvorschuss genießt.
00:17:39: Dass sie irgendwas edlen Motiven handelt und dass wenn im Ergebnis Juden in Deutschland wieder über ihre Auswanderung nachdenken, dass er eigentlich gar nicht das Ergebnis linker Politik sein kann sondern nur ein großes Missverständnis ist.
00:17:51: schockierend zu sehen, wie Teile der PFLP einer verbotenen Terrororganisation Hamas sympathisanten Zugang zu Entscheidungsträgern innerhalb der Linken haben.
00:18:00: Es ist eine Offenheit zur Klangkriminalität gibt.
00:18:02: sowieso die Frage sich stellt wenn die linke Regierungsverantwortung in Berlin bekommt wird der Rechtsstaat noch durchgesetzt im Kampf gegen organisierte Kriminalität Wenn jetzt bereits Bezirksbürgermeister NSB ankündigen dass die Ordnungsämter keine Kontroll mehr durchführen weil die rassistisch missverstanden werden könnten?
00:18:17: das finde ich im hohen Maße besorgnungserregend.
00:18:19: es liegt die Axt An so einen Grundkonsens, den wir nach nünftundvierzig in Deutschland hatten nämlich das Extremisten nicht an die Macht dürfen.
00:18:26: und für mich ist persönlich da ganz klar.
00:18:28: Die Linke sind Teilen nicht minder verfassungsfeindlich als Teile der AfD.
00:18:33: sie ist anders ausgerichtet aber eine Konsequenz für jüdisches Leben in Deutschland aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
00:18:40: genauso toxisch
00:18:41: Ja, wenn man sich das anguckt.
00:18:42: Das Thema Enteignung in Berlin ... Also wo man sich fragt wie soll das funktionieren?
00:18:48: Wenn man enteignet dann muss man dafür auch Geld auf den Tisch legen und dass Berlin Geld hat wäre mir neu.
00:18:56: Und wenn man selbst das macht danach muss man das Ganze auch noch in Stand halten.
00:19:02: Wie soll das funktioniert?
00:19:03: also da hilft ja dann auch wiederum ein Blick im DDR.
00:19:06: Da ist es so gewesen die Mieten waren billig der Staat war zuständig Und die vielen sozialistischen Prachtbauten, die es damals gegeben hat sind alle abgerissen worden.
00:19:16: Es gibt noch ein paar Beispiele wo man sieht wie alles heruntergewirtschaftet ist und da sieht man einfach dass die Konzepte die dann dort im Hintergrund stehen einfach nicht funktionieren werden aber halt ziehen weil dahinter natürlich eine Sorge steht die man ernst nehmen muss nämlich das es zu wenig Wohnraum gibt und das es teuer ist.
00:19:34: also das muss man erst mal ernst nehmen und sehen.
00:19:37: Aber die Lösungen können halt nicht die Lösung sein, die jetzt hier an der Stelle halt die Partei Die Linke anbietet.
00:19:43: Und von daher wird sich das in Zukunft zeigen also auch die Grünen und die SPD, die ernsthaft dort überlegende Koalitionen einzugehen.
00:19:54: Die müssen sich dann schon fragen, inwieweit auch beim Thema Antisemitismus nie wieder gilt oder ob das schön wetter reden sind?
00:20:03: Und die politische Realität einfach eine ganz andere ist.
00:20:06: Wenn man das so hört, dann ist es schon sehr besorgniserregend.
00:20:10: Ist denn unsere Demokratie ernsthaft gefährdet?
00:20:14: Es gilt, glaube ich, der Satz den der verfassungsrechter große Verfassungsrechtler Böckenförde in einem frühen Jahr an der Bundesrepublik mal formuliert hat, dass Böckensförder Diktome freiheitlich säkulare Staatlebnemvoraussetzungen dir selbst nicht garantieren kann.
00:20:29: Das heißt übersetzt wir alle müssen Tag für Tag dafür arbeiten, funktioniert, weil wenn wir nicht mehr an sie glauben und sie nicht mehr tragen dann ist es keine Verständlichkeit dass es sie noch gibt.
00:20:42: Wenn wir den Glauben verlieren das das bessere System ist dann ist auch ganz schnell weg.
00:20:46: Und am Ende des Tages ist jede Generation die neu eine Demokratie erkämpfen muss und es ist kein Naturgesetz Dass wir in einem freien Staat leben.
00:20:55: Insofern würde ich diese Antwort grundsätzlich Zeiten unabhängig mit Ja beantworten, aber insbesondere natürlich aktuell.
00:21:02: Und daraus erwächst für uns die Verantwortung auch übrigens nicht nur für die Politik da oben oder dort in der Kommune sondern für jeden Einzelnen von unseren Staatsbürger sich nicht auf den Beifahrersitz dieser Demokratie zu setzen, sondern selbst aktiv zu werden idealerweise sogar eine politische Partei einzubringen um diesen Staat und diese Demokratie stärken.
00:21:21: Damit sind wir schon bei dem Thema, was können wir eigentlich tun?
00:21:24: Wie können wir da entgegensteuern.
00:21:26: Und das gibt ja jetzt Christen, die der Überzeugung sind zu sagen ... Ich glaube, das sollte nichts miteinander zu tun haben.
00:21:34: Das sollte getrennt sein.
00:21:36: Wie ist denn da Ihre Haltung dazu?
00:21:38: Bei Ihnen höre ich das schon so ein bisschen raus.
00:21:40: Sie sagen und sie leben es ja auch selbst als Christ unbedingt politisch engagieren.
00:21:45: Was sagen Sie dazu, Frau Stetter?
00:21:47: Lieber politisch engagieren oder ist es besser sich raushalten?
00:21:51: Also grundsätzlich muss jeder die Entscheidung für sich selbst treffen.
00:21:54: Ich würde immer dafür plädieren, sich zu engagieren der sich in der Politik engagiert hat, gewisse Überzeugungen.
00:22:02: Also wenn jemand sagt ich will mich für einen Umweltschutz einsetzen dann hat er die Überzeugung und will das einbringen.
00:22:08: Wenn jemand christliche Werte hat... Dann ist er davon überzeugt, dass diese christlichen Werte grundlegend etwas Gutes sind für unser Land und das Volk.
00:22:18: Für die Entwicklung oder was man dann sagen kann.
00:22:21: auf dieser Grundlage können wir etwas Positives tun.
00:22:24: Das heißt ja nicht, dass wir die Bibel missbrauchen um hier eigene Ziele durchzusetzen.
00:22:31: also es geht ja nie darum um christlichen Nationalismus wie man ihn jetzt auch zum Beispiel den USA aktuell sieht sondern es geht da drum, dass man Überzeugung hat die etwas Gutes bewirken können, ohne dass wir sagen das führt uns jetzt dazu.
00:22:44: Wir wollen als Christen Macht haben, sondern wir wollen etwas Positives bewirkeln.
00:22:50: und da würde ich halt sagen, wir haben was anzubieten!
00:22:52: Wir haben das christliche Menschenbild an zu bieten.
00:22:55: Wir haben Werte anzubieten, Menschenwürde alles, was wir aus der Bibel ableiten können.
00:22:59: und von daher würde ich immer sagen wer Zeit hat, wer die Möglichkeiten hat engagiert sollte sich engagieren.
00:23:06: und es gibt ja so viele Möglichkeiten gerade auch auf regionaler Ebene, also Kreistagspolitik.
00:23:14: Also auch da ist es ja was Vieles wo man sich einfach auch ehrenamtlich einbringen kann.
00:23:17: und das ist auch etwas wo ich denke weil wir ganz am Anfang darüber sprachen.
00:23:23: worüber macht man sich Sorgen?
00:23:25: Ich würde mir im Moment Sorgen machen dass viele Menschen sich gar nicht mehr ehrenamblich engagieren Auf den ganz unterschiedlichen Ebenen und würde da Mut machen zu sagen bringt euch ein, sei es in der Politik, sei's woanders und macht das ganz bewusst vor dem Hintergrund dass ihr was anzubieten hat.
00:23:42: Nämlich christliche Werte.
00:23:43: Also ich will darauf aufbauen weil in der Tat ... Ich seh' also auch so Politik ist eine Form des Dienstes am nächsten.
00:23:48: aber und das ist ganz wichtig die Bibel ist kein Parteiprogramm Und ich kenne gläubige Christen in allen politischen Parteien völlig legitim zur Frage der Sozialversicherung in Deutschland eine unterschiedliche Überzeugung zu haben als, glaub ich, ein Christ.
00:24:02: Es gibt bestimmte Leitblanken die auch einfach auf Basis eines christlichen Wertefundaments glaube ich klar sind gerade mit Blick auf das Thema Menschenwürde.
00:24:10: aber überall dort wo es kein ungesundes Nahverhältnis aus Glaube und Macht gibt ist erheblich missbrauchsanfällig und dem sollte man glaube ich wiederstehen.
00:24:22: Christen, anderen Christen sagen unsere Hoffnung liegt nicht in Christen und der Politik.
00:24:26: Unsere Hoffnung legt den Christus.
00:24:28: Also wir glauben nicht an Christen.
00:24:29: Wir glauben an Christus und das ist ein ganz wichtiger Unterschied auch wenn es um politische Machtfragen geht.
00:24:34: Was macht denn Ihr Glaube für einen Unterschied für Ihre Arbeit?
00:24:38: Für mich persönlich in meinem eigenen Leben macht es einen großen Unterschied, wie ich auf die Welt blicke.
00:24:42: Ich denke sehr häufig im Beruf an meinen Konfirmationsspruch aus dem zweiten Timotheus-Brief Kapitel eins für sieben Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht sondern eine Kraftliebe und Besonderheit.
00:24:51: etwas weniger furchtsam etwas zupackende aber gleichzeitig dabei hoffentlich liebevoll zu sein.
00:24:56: Ich scheite häufig an diesem Anspruch aber das ist für mich die Grundlage dessen wie ich handeln will.
00:25:02: Wir sind am Ende angekommen.
00:25:04: Wir müssen leider auf die Zeit achten, deshalb Abschlussfrage an CES klang schon so ein bisschen durch aber noch mal zugespitzt was macht Ihnen dann gerade mit Hinblick auf die Zukunft unseres Landes ganz persönlich Hoffnung?
00:25:17: Ich glaube was uns allen Hoffnungen machen kann ist die unglaublich reiche Kulturgeschichte und die Wurzeln aus denen sich unser Land erneuern kann.
00:25:24: wir haben alle Antworten die wir brauchen um die Zukunft zu bestehen In uns bereits drin, wir müssen dieses Potenzial aus zweitausend Jahren abländische Geschichte einfach noch heben.
00:25:34: Herr Gernstor von Ihnen?
00:25:36: Als Christen haben wir grundsätzlich Hoffnung.
00:25:38: also mir fällt da jetzt ein zum Beispiel einen Lied ein Jesus Christus fährst als König.
00:25:42: alles wird im Unterteh nicht und das ist das was was gilt.
00:25:44: Also wir haben eine Zukunft hoffnung und wissen es gibt eine Ewigkeit, in der wir leben werden.
00:25:51: Und von daher haben Christen aus meiner Sicht immer Hoffnung und das gilt sowohl für die Ewigkeit als auch für hier.
00:25:57: Also Karl Barth, der gesagt hat es wird regiert uns zu sagen Das gilt und das wissen wir und darauf können wir aufbauen.
00:26:05: Vielen Dank dass Sie hier sind.
00:26:06: danke für dieses Gespräch mit Ihrer guten Empfulse.
00:26:09: Danke für die Anordnung!
00:26:10: Vielen Dank!
00:26:11: Danke auch dir fürs Zuschauen.
00:26:13: bald geht es weiter mit echt und ehrlich und ich freue mich wenn du wieder dabei bist tschüss.
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